Und auf einmal steht dein Baby auf zwei Beinen, und zieht sich am Couchtisch hoch.
Der erste Geburtstag ist nicht einer von vielen, sondern für Eltern nichts weniger als ein Wendepunkt: Aus deinem Baby wird ein Kleinkind. Ich erinnere die erste Geburtstage unserer Söhne, als eine gefühlmäßige Achterbahnfahrt aus Liebe, Stolz und auch Trauer darüber, nun kein Baby mehr zu haben.
„Naja, aber auch das zweite Lebensjahr ist wunderschön und klein bleiben sie ja erstmal noch“, hab ich mich jedes Mal selbst zu trösten versucht.
Nun, einige Jahre später weiß ich: Die große Unterschied zwischen Mutter eines Babys, oder eines Kleinkindes zu sein ist dieser hier:
Dein Kleinkind sucht und braucht vermehrt Grenzen und Klarheit von dir, was uns zu Beginn im Alltag nicht selten überfordert-insbesondere in einer social media bubble – die zwischen: „sei bedürfnissorientiert“ und „erziehe dein Kind blos nicht zu einem Tyrannen“- hin und her switscht.

Für die Kinder stehen viele weitere großen Entwicklungsaufgaben der frühen Kindheit an:
Die bereits viel beschriebene Co- Regulation über dich als Mutter bleibt auch nach dem ersten Geburtstag wirklich wichtig für dein Kind.
Du bist jetzt weiterhin der sichere Hafen für dein Kind, und wirst auch mehr und mehr zum Gegenüber, das Grenzen setzen muss. Wenn du deinem Kind weiterhin hilfst Gefühle zu regulieren, hilfst du enorm, denn:
Wie wichtig das ist, wird deutlich, wenn wir uns die zwei Hauptausprägungen der Regulation anschauen: der Verhaltensregulation und der Emotionsregulation.
Dein Kind beginnt sich auszuprobieren. Im Kontakt zu dir, wie auch im Spiel mit anderen Kindern.
Dort begegnen Eltern manchmal Verhaltensweisen, die uns nicht gefallen können, zum Beispiel wenn wir unserer lieben Kleinen beobachten, wie sie beißen, hauen oder regelmäßig Spielsachen wegnehmen.
Das pickt uns Eltern super schnelle an, und spätestens wenn das zweite Kind in der privaten Spielgruppe schreit, weil deien Kind das Spielzeug weggenommen hat, fühlen wir uns genötigt einzugreifen. Nur wie?
Wenn wir Veränderung im Verhalten des Kleinkindes bewirken wollen, stoßen wir auf zwei wichtige Bereichr, die wir beide bereiche betrachten sollten.
Einmal spielt die die Regulation des Verhaltens für dein Kleinkind eine Rolle und auch auf die Emotionsregulation sollten wir blicken- die im zweiten Lebensjahr buchstäblich noch in den Kinderschuhen steckt.

Oftmals finden Mutter und Väter hier eine elegante Lösung, ohne dass das Thema im Alltag zu groß und zu präsent wird- manchmal aber eben auch nicht. Dann sitzen in Kursen oder Beratungen verzweifelte Eltern mit 17 oder 20 Monate alten Kleinkindern vor mir, die sich fragen, was in aller Welt sie falsch gemacht haben.

Wir versuchen dann mit Verständnis, entwicklungs-psychologischem Hintergrundwissen konkreten Ideen zur Lösung im Alltag.
Mein Ansatz ist dabei immer:
Kinder verhalten sich niemals falsch oder sogar schlecht, sondern sie zeigen uns, was sie noch nicht anders ausdrücken können.
Wenn wir verstehen, was hinter dem unerwünschten Verhalten steckt, können wir gelassener reagieren und Kinder wirklich begleiten.
Irgendwie bedeutetet Eltensein im zweiten Lebensjahr: Nicht nur wachsen sehen, sondern weiter miterleben, wie ein kleiner Mensch die eigene Stimme findet und lernt damit umzugehen.

Dieser lieblings.eltern Werkzeugkasten soll dein Begleiter sein im Umgang mit starken kindlichen Gefühlen und dich in der wachsenden Wichtigkeit von pädagogischer Haltung unterstützen.
Autorin:

Nina Schütte- de Beek ist Pädagogin/Psychologin und Expertin der frühen Kindheit.
Sie berät und begleitet seit 20 Jahren junge Familien in den ersten drei Jahren mit Baby und Kleinkind- hält Vorträge und hostet den beliebten Podcast lieblings.eltern
Sie ist Mutter von zwei erwachsenen Söhnen und lebt in der Nähe von Bremen
nina@lieblingseltern.info
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