Warum schläft mein Baby nicht?“ – Was junge Eltern über den kindlichen Schlaf wirklich wissen sollten.
> „Alle anderen Babys schlafen problemlos – nur unseres nicht!“
„Es bringt mich noch um den Verstand: Es dauert am Tag fast eine Stunde bis Tom ( 14 Mon.) endlich eingeschlafen ist- um dann immer nach 25 Minuten wieder wach zu werden“
„Elsa (2 Jahre) muss abends nach einem anstrengendem Tag hundemüde sein- aber sie will einfach nicht in Bett“.
Wenn dir diese Sätze vertraut vorkommen, atmest du jetzt bitte einmal tief durch. Denn: Nein. Alle anderen Kinder schlafen auch nicht durch. Oder nur manchmal.
Der Schlaf von Babys und Kleinkindern ist ein Thema, das viele Eltern umtreibt. Vor allem, wenn der eigene Schlafmangel langsam chronisch wird- die Nerven deshalb häufiger mal blank liegen und die Ideen, diesen anstrengenden Zustand zu beheben- genau wie die eigene Kraft : am Ende sind.

Deshalb will ich mich heute einmal fundiert, ehrlich und vor allem informativ auf das Thema Schlaf im Alter von 0 bis 3 Jahren blicken.
DAS WICHTIGSTE WIE IMMER ZUERST:
Schlafen ist (leider) keine angeborene Fähigkeit, die unsere Babys einfach so mitbringen.
Menschenbabys kommen nicht auf die Welt und können automatisch durchschlafen.
Bei Neugeborenen in den ersten 8 Wochen ist das wohl manchmal noch der Fall- jedoch nach dem 4. Monat bemerken alle Eltern: Schlafen muss gelernt werden – und das geschieht in vielen kleinen Entwicklungsschritten.
Die gute Nachricht? Das Schlafverhalten, also ob dein Kind leicht und gerne einschläft und dann für einige Stunden weiterschläft, ist nicht in Stein gemeißelt und entwickelt sich stetig bzw. reift in der frühen Kindheit.
Nur steht hier jetzt leider das Wörtchen reift und nicht lernt. Und um hier auch das vielzitierte Buch „Jedes Kind kann schlafen lernen“ zu bemühen: Ein Kind kann das Schlafen eben nicht lernen-sondern darf die erforderliche Reife hierfür entwickeln, und das erfordert leider Zeit -in der Regel: Jahre.
Während wir Eltern Nacht für Nacht versuchen Lösungen, oder zumindest Erklärungen für schlaflose Zeiten zu finden, liefert die Schlafforschung sowie die Entwicklungspsychologie uns ganz deutliche Ergebnisse darüber.
- Für unsere jungen Kinder bedeutet Schlafen = Gefahr
- die Schlafphysiologie (also quasi der Bauplan, wie der Schlaf von Babys und Kleinkindern aufgebaut und organisiert ist), deutlich anders ist, als bei älteren Kindern und Erwachsenen. Der größte Unterschied besteht daran, dass sich ein junges Gehirn immer nur probeweise kurze „Schlafhäppchen“ genehmigt und damit dann häufiger wach wird. Dies hat verschiedene Ursachen:
- Es wird dabei zum einen davon ausgegangen, dass es sich in der menschlichen Entwicklungsgeschichte als nützlich herausgestellt hat, dass der Mensch, als er noch weitestgehend ungeschützt im freien Feld schlief, regelmäßig wach wurde um die Umgebung prüfen zu können. Die Gruppe „Frühmenschen“, deren Gehirne zufällig so funktionierten, dass sie nur kurze Schlafphasen einlegten, konnten Fressfeinde wahrnehmen, die Gruppe wecken, davonlaufen uns so den Fortbestand ihrer Gruppe sicherstellen. Währenddessen eine andere Gruppe 1000 km entfernt, die solche Gehirne besaß, die die Besitzer über Stunden in einem komatösen Schlaf gleiten lies- eben diese Feinde nicht bemerkten und gefressen wurden. Diese Art Gehirne haben sich evolutionär nicht durchgesetzt, da die BesitzerInnen leichter zu Beute wurden und sich nicht mehr fortpflanzen konnten. Durchgesetzt haben sich die Gehirne, die zufällig so funktionierten, dass nur kurze Schlafetappen unternahmen um dann erstmal wieder wach zu werden.
- Im Laufe der Zeit lernt unser Gehirn längere Zeit zu schlafen indem diese kurze Intervallen verbunden werden können. Nicht so unsere jungen Babys und Kleinkinder:
- Die schwere Entwicklungsaufgabe die unseren Kinder in der frühen Kindheit bevorsteht ist es die vielen kurzen Schlafphasen zu verbinden– ohne im Übergang der einen zur anderen Schlafphase wach zu werden
- Wir haben hierüber in unserem Podcast lieblings.eltern ausführlich in den Folgen 7 /8/65 berichtet. Hör dir die einzelnen Ergebnisse ganz einfach und kostenlos hier an:
https://open.spotify.com/show/34QRXD2XGlTKp6R5CbOgiI?si=62ed52a915904ad5—

Ebenfalls findest du auf dem dazugehörigen Instagramm Profil der lieblings.eltern viel Wissenswertes und auch Stimmen von Eltern:
https://www.instagram.com/lieblings.eltern/
Erst mit etwa 3 Jahren stabilisieren sich die Schlafzyklen langsam in Richtung eines erwachsenen Schlafmusters.
Kurz gesagt: Wenn dein Baby alle zwei Stunden aufwacht – ist das nicht „falsch“, sondern physiologisch völlig normal.

Ein Kind „schläft durch“ – das klingt wie ein Meilenstein, der einmal erreicht und dann für immer abgehakt ist. Tatsächlich aber verläuft Schlafentwicklung nicht linear, sondern in Wellen:
Nach Phasen mit ruhigeren Nächten kommen häufig wieder unruhige – zum Beispiel in Entwicklungssprüngen, beim Zahnen oder bei Trennungsängsten.
Rückschritte in diesem Reifeprozess (Social Media hat dieses Phänonem „Schlaf-Regressions“ getauft- meinetwegen)
sind keine Fehler, sondern Teil der Reifung des Nervensystems.
Deshalb gilt: Was heute klappt, muss nächste Woche nicht mehr funktionieren. Aber das ist kein Versagen – sondern Wachstum.
Quellen: Dr. Herbert Renz-Polster/Nora Imlau, Schlaf gut Baby, Gräfe und Unzer, 2016
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