Wenn Kleinkinder um den ersten Geburtstag herum regelmäßig hauen oder gar beißen, versetzt das uns Eltern zielsicher in Sorge über die Entwicklung, die gerade zu beobachten ist und führt unreflektiert nicht selten zu Reaktionen, die schnell der Mottenkiste der pädagogischen Weisheiten entspringen. „Dann wird es jetzt wohl mal Zeit mit dem bedürfniss-orientierte, verständnissvollen Elternsein aufzuhören und über Strafen und Konsequenzen nachzudenken, oder?“- höre ich dann regelmäßig erschrockene Eltern fragen.
Warum ist das Kind plötzlich so aggressiv? Gerade gestern noch der süße Fratz, der gerade laufen lernt und plötzlich „Aua! „, ist da diese Hand, die zuschlägt. Oder diese kleinen Zähnchen, die sich in deinen Unterarm bohren.
Gesteigert wird diese Sorge dann nur, wenn diese Attacken andere Kinder trifft: Spielgefährten in der Krippe oder Geschwisterkinder. Was ist da los?

Das Wichtigste also am Besten sofort: Beißen, hauen, kneifen- also alle Verhaltensweisen, die bleibenden Eindruck hinterlassen, sind in der frühen Kindheit:
-KEIN Hinweis auf eine Fehlentwicklung,
-KEIN Ausdruck von Aggression oder sich entwickelndem asozialem Verhalten
-KEIN gezieltes Vorgehen, um ein Ziel zu erreichen, sondern dient dem Kind immer nur zu einem Zwecken-nämlich als Ventil
-IMMER ein Ausdruck von Überforderung
Orginalton einer Mutter in einer meiner Muttter-Kind-Gruppen:
“ Also-wieder ein gutes Bespiel für: Das Kind mach das nicht gegen mich-oder gegen das andere Kind- sondern für sich selbst? “ Genau!
Also, liebe Eltern- wenn möglich das Sorgenprogramm wieder herunterfahren.
Hier die Erklärung:
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Stell dir vor: Du bist gerade mal ein Jahr alt. Die Gefühle sind groß, die Welt ist noch größer – und die Sprache? Na ja, die hinkt noch hinterher. Und wenn du nicht sagen kann: „Das finde ich hier gerade blöd- warte mal eben, das hatte ich anders geplant, dann spricht eben der Körper.
Und zwar impulsiv.
Gar nicht gut- besonders, wenn es andere Kinder trifft.
(Hier ist es bei allem Bemühungen die Situation nicht überzubewerten ziemlich wichtig zu erwähnen, dass Menschenbisse wirklich sehr infektiös sind. Sollte die Haut des anderen Kindes (oder deine) verletzt sein und bluten, ist ein Desinfizieren dringend notwendig. Auch sollte die Stelle in den nächsten Tagen beobachtet werden-und evt. einem Arzt/Ärztin gezeigt werden. Sicher ist sicher.)
Bei besonders jungen Kindern kommen die Beißattacken manchmal vorhersehbar, als Reaktion (beispielsweise wenn dem Kind etwas weggenommen wurde), viel häufiger aus meiner Beobachtung jedoch
„aus heiterem Himmel“. Ein Kind geht auf ein anderes Kind zu-und beisst ohne erkennbaren Grund zu. Wenn wir die Situation von außen betrachten, und bereit sind anzunehmen, dass das Kind nicht böse ist, sieht es eigentlich aus wie ein etwas verwirrter und ungeschickter Kontaktversuch, oder? „Hey- hallo, ich hätte gerne mit dir zu tun.
In der frühe Kindheit- also vor dem dritten Geburtstag gehört es noch nicht zum sicheren Repertoir, wie Kontakt zu einem anderen Kind hergestellt werden kann.
Wenn dich dein Baby beisst ist die beste Reaktion das Ignorieren. Ein Baby ist absolut in der oralen Phase- also: schenk dem Beißen deines Baby möglichst nach Möglichkeit keine Aufmerksamkeit. Wenn keine Reaktion erfolgt, wird das Verhalten vermutlich relativ schnell uninteressant und bleibt aus. Eine Reaktion deinerseits ist mE eher kontraprodutiv, das dein Kind erfährt was alles spannend geschieht, wenn es beisst-und in der Lebensphase in der sie sich gerade befinden, testen sie aus, ob das morgen auch so ist. Sie wollen lernen
Mit dem Kleinkind nach dem ersten Geburtstag solltest du es ebenso handhaben-und wenn möglich ignorieren. Du verhinderst natürlich, dass du gebissen wirst, wenn du nicht schnell genug bist, sagst du:
„STOP, das mag ich nicht- lasss das….“ und machst mit dem weiter, was du geraade getan hat. Du versuchst dich in einem unaufgeregtem Umgang mit dem Beißen zu üben.
Das Beißen versuchst du zu ignorieren oder sowenig Aufmerksamkeit wie möglich zu geben- aber nicht deinem Kind.

Meistens erfolgen die Bisse besonders junger Kinder „aus heiterem Himmel“
Bildquelle: CANVA
Wie du reagieren kannst, wenn ein anderes Kind gebisssen wurde
Ja, das ist unangenehm. Peinlich vielleicht. Aber auch hier gilt: Dein Kind ist nicht „böse“.
Der erste Blick sollte dem gebissenen Kind gelten. IMMER. „Oh, nein- wie blöd, jetzt hat xy dich bebissen. Oh, nein das tut sicherlich weh, lass mich mal sehe, ob du verletz bist.
Sage dem anderen Kind (oder den Eltern) klar: „Es tut mir leid. Wir arbeiten daran. xy ist noch klein und lernt gerade.
Wenn ein anderes Kind gebissen wurde, kannst du das Beissen leider nicht ignorieren und musst auch deinem Kind gegenüber eine Reaktion zeigen. Diese sollte nicht strafend, nicht drohend
( „Wenn du das nochmal machst…“ ) sein, sondern ausschließlich auf die Situation das gebissenen und weinenden Kindes gerichtet sein. „Oh, nein das hat xy weh getan, guck mal sie/er weint ganz toll. Mist, das war doof.
Für die nächsten Wochen bedeutet das für dich nach Möglichkeit immer dicht neben deinem Kind zu sein, wenn es Kontakt zu anderen Kindern hat , um proaktiv schnell eingreifen zu können, wenn dein Zweg erneut Kontakt übers Beißen aufnehen möchte.
Hier kannst du dann schnell eingreifen, und erstes das Beissen zu verhindern um zweitens deinem Kind einen alternativer Kontaktversuch vormachen, solange dein Kind sprachlich noch nicht soweit ist : „Oh, das ist ein schöner Bagger, mit dem du spielst…“ , oder
„Du hast ja kleine Hände- schau mal, so sehen meine Hände aus“, oder
„Ah, du möchtest mit xy spielen, der Bagger mit dem er/sie spielt sieht auch wirklich toll aus…

Ein Kind, das haut oder beißt, hat sich oft selbst erschrocken. Es braucht jetzt nicht Strafe, sondern Zuwendung und Orientierung. Du bist in Ordnung- dein Verhalten war nur falsch.
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Fazit – und: die gute Nachricht
DeinKind ist nicht außer Kontrolle – es ist mitten in der Entwicklung. Und Du haben jetzt die Chance, mit Klarheit, Herz und Geduld den Grundstein für einen liebevollen, respektvollen Umgang mit Gefühlen zu legen.
Wie ist dein Meinung dazu?
Findest du diese Haltung für dich umsetzbar? Wirkt es fremd. Wie bist du mit ähnlichen Situationen bisher umgegangen? Ich freue mich auf deine Meinung.

„Die lieblings.eltern Werkzeugkiste“ von Nina Schütte- de Beek
Die frühe Kindheit ist für Eltern wunderschön und auch oft herausfordernd, wenn beißen,hauen, Spielzeug-Streitereien, Schlafprobleme sowie einseitige Essgewohnheiten sich festsetzen.
Dieser Ratgeber quillt schier über mit nützlichen Tipps und entwicklungspsychologischen Erklärungen. Eltern können diese pädagogische Werkzeugkiste nutzen, wie jede ander Werkzeugkiste auch: Wenn es etwas in Alltag zu richten gibt, was scheinbar nicht von alleine verschwindet, wird er hervorgeholt- das entsprechende Werkzeug wird hervorgeholt- angewandt und fertig-
zum Download: gerne erhältst du hier den Link zu download.
Schreibe mir unter kontakt@lieblingseltern.info
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