
Das erste Lebensjahr des Kindes neigt sich dem Ende. Spätestens dann beherrscht ein Thema die Gespräche junger Eltern:
Sollten wir eine Krippenbetreuung planen?
Selten im Elternsein liegen Stolz/ Freude und Unsicherheit so eng beieinander als dann, wenn die Eingewöhnungszeit euch bevor steht.
In den letzten Jahren ist die Betreuungsqualität in deutschen Krippen und Kitas massiv gesunken. Volle Gruppen, geringer Betreuungsschlüssel (= das Verhältnis: wie viele ErzieherInnen -wie viele Kinder betreuen) ,
mangelnde Qualifikation des Betreuungspersonals- und (daraufhin) hohe Krankenstände, machen es unseren kleinen Kindern schwer, die Krippe als ihr zweites Zuhause anzusehen, wo sie sich wohl fühlen, und gerne lernen.
Im Gegenteil belegen etliche Studien bedrohlich hohe Cortisolwerte der Kinder, die U3 betreut werden. Eltern beobachten, das Mütter, die auch Erzieherinnen sind, ihre Kinder wenn möglich nicht in einer Krippe betreuen lassen, da sie über den Gruppenalltag für die Kinder informiert zu sein scheinen.
Das alles verunsichert Eltern sehr. Wir wünschen uns eine liebevolle, sanfte Eingewöhnung des jungen Kindes, ohne dass es überfordert wird- sondern sich vielmehr im eigenen Tempo von dir als Mutter lösen kann, um in der Krippe anzukommen.
In meinen Beratungen sehe ich, dass die Realität anders ist: Eingewöhnungen dauern viel länger als geplant, die Kindern weinen viel und lange, binden sich nur zögerlich an die ErzieherInnen, zweifelnde und verzweifelte Eltern, Kritik und Unzufriedenheit bei allen Beteiligten immer häufiger werden Eingewöhnungen auch abgebrochen , was aus Sicht der Familie Fluch und Segen zugleich ist, da es zum einen das Ende eines hohe Stressaufkommens bedeutet, jedoch auch ein Gefühl von Scheitern beinhaltet. An den strukturellen Bedingungen können wir als Eltern kurzfristig nichts ändern, aber wir haben die GROSSE CHANCE schon im Vorfeld optimale Bedingungen für die Kinder zu schaffen, die den Start in die Betreuung erleichtern:
Das Wichtigste zuerst: Was brauchst eigentlich du als Mutter, damit die Eingewöhnung gelingen kann ?
Klarheit. Sei dir im Klaren darüber, ob du eine Krippenbetreuung tatsächlich willst. Klingt banal und ist absolut wichtig. Bist du ambivalent, wird es für dein Kind schwerer.

Emotionale Kraft. Du wirst stark sein müssen und fähig, das Weinen deines Kindes richtig interpretieren und begleiten zu können. Deine eigenen Gefühle solltest du wahrnehmen und gut regulieren können. Das hilft deinem Kind in der Eingewöhnung sehr.
Zeit. Es ist wichtig, dass du Zeit für Rückschritte während der Eingewöhnungsphase hast. Unterbrechungen durch Urlaub oder Krankheit hindern oft den Prozess. Am besten legst du dir gleich zu Beginn einen Plan B zurecht.
Welchen entwicklungspsychologischen Reifestand sollte dein Kind vor Beginn der Eingewöhnung erreicht haben?
Das Wichtigste schon einmal zu Beginn: Es ist großartig, daß du dich damit beschägtigst, ob dein Kleinkind reif genug ist, sich auf die Krippenbetreuung einlassen zu können.
Folgende Entwicklungsbereiche sind hier von Bedeutung.
Besitz dein Kind Objektkonstanz ? Super wichtige Voraussetzung. Aus entwicklungspychologischer Sicht fundamental wichtig.
Hat dein Kind ein festes Bindungsmuster entwickeln können ? Du hast vielleicht schon von Bindungstypen und Bindungsmustern gehört, die Menschen in der frühen Kindheit entwickeln , und die das ganze Leben lang bestehen bleiben (durchaus veränderbar sind) und beeinflussen, wie wir Beziehungen aufbauen und pflegen können.
,Der letzte wirklich wichtige Punkt, auf den du bei deinem Kind achten kannst ist, wie stark die Fähigkeit zur Selbst- Regulation ausgeprägt ist. Dies ist natürlich ein sehr langer Prozess und auch bei erwachsenen Menschen mitunter nur im Ansatz ausgeprägt. Im 2. Lebensjahr können wir jedoch bei Kindern beobachten, dass sie sich zunehmend und immer öfter selbst regulieren können, und nicht immer auf unsere Co. Regulation angewiesen sind.
Das Wichtigste kommt zum Schluss:
Die gelungene Eingewöhnung bzw. das sichere Ankommen in einer anderen Umgebung wie Krippe hängt von sehr vielen Faktoren ab. Einige, wie zum Beispiel die strukturellen Voraussetzung der Einrichtung, lässt sich von uns Eltern nicht beeinflussen. Umso wichtiger ist die große Umsicht bei der Wahl der Krippe bzw. Tagesmutter.
Das, was wir Eltern von Anfang an in der Hand haben, sind die Entwicklungsbedingungen, die unsere Kinder innerhalb unserer Familie haben. Hierin liegt die Chance sie zu stärken, um die herausfordernde Eingewöhnungsphase gut zu bewältigen.
Wenn du noch mehr Unterstützung und Informationen zu diese Thema brauchst:
Lade dir noch heute den lieblings.eltern Ratgeber zum Krippenstart herunter, wo du ausführlicher die verschiedenen Voraussetzungen verstehen lernst -und auf dein Kind und eure Situation mithilfe der Checkliste anwenden kannst.

Autorin:
Nina Schütte- de Beek ist Pädagogin/Psychologin und Expertin der frühen Kindheit.
Sie berät und begleitet seit 20 Jahren junge Familien in den ersten drei Jahren mit Baby und Kleinkind- hält Vorträge und hostet den beliebten Podcast lieblings.eltern
Sie ist Mutter von zwei erwachsenen Söhnen und lebt in der Nähe von Bremen
nina@lieblingseltern.info

https://open.spotify.com/show/34QRXD2XGlTKp6R5CbOgiI?si=84201120698f40fe
Folge den lieblings.eltern auf Instagram

Wie siehst du das? Teile gern deine Meinung zum Thema im einem Kommentar mit.